ADSL-Anschlüsse in Thailand

Es wird viel geschrieben über das thailändische Internet, insbesondere über die Geschwindigkeit. Das meiste, was man in einschlägigen Foren liest, ist recht unausgegoren, subjektiv oder schlicht sachlich falsch. Richtig ist aller­dings, dass es sehr häufig Probleme gibt, die man allerdings mit Beharrlich­keit und vor allem Freundlichkeit gegenüber den Technikern meistens schnell beheben (lassen) kann.

Fast ausschließlich werden in Thailand ADSL-Anschlüsse angeboten, also ein Hochfrequenz-Signal (bis 2,2 MHz), welches über eine normale Telefonleitung (Kupferdraht) läuft. Hierbei nimmt bei steigender Leitungslänge systembedingt die erreichbare Bitrate drastisch ab. Das „A“ in „ADSL“ steht dabei für asynchron. Was bedeutet, dass Angaben bezüglich der Geschwindigkeit sich lediglich auf den Downstream beziehen. Bei Uploads ist eine wesentlich geringere Geschwindigkeit völlig normal. Die Geschwindigkeit ist allerdings nicht das einzige Kriterium. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Verbindungsabbrüche wesentlich mehr zur subjektiven Wahrnehnehmung der Internet-Qualität beitragen, als die Bitrate. Letztere ist nur bei großen Downloads oder bei Video-Streaming spürbar, kaum aber z.B. beim Lesen von Zeitungsartikeln. Die folgende Grafik zeigt die prinzipielle Funktionsweise von ADSL.

Schematische Darstellung der Funktionsweise von ADSL

Der DSLAM

Ein unscheinbarer grauer Kasten (Konzentrator genannt) ist meistens die Wurzel allen Übels, wenn der Internet-Anschluß in Thailand nicht zufriedenstellend funktioniert. In diesen Kasten mündet nämlich Ihr Telefonkabel, an das der Splitter, das DSL-Modem und ggf. ein Telefon angeschlossen ist. In Thailand ist es meist heiß und feucht. Zustände, die elek­tro­nische Schaltkreise (im Konzentrator) gar nicht mögen. Zudem sind die DSLAMs relativ teuer und die Internet-Provider tauschen sie nur höchst ungern aus, obwohl sie nur zu genau wissen, dass jene eigentlich das Kernproblem sind. Dringt Hitze, Schmutz oder gar Wasser ins Innere dieser Geräte, kommt es irgendwann bei bestimmten Ports zu Verbindungsproblemen und damit zu einem kurzzeitigen Ausfall des DSL-Signals. Dann ist das Internet kurz „weg“ und der „Server wird nicht gefunden“.

Mögliche Symptome bei Verbindungsabbrüchen

  • Webseiten bauen sich sehr langsam auf, es kommt zuweilen die Fehlermeldung „Server nicht gefunden“ im Browser.
  • Beim Abspielen von Videos (z.B. bei Youtube) läuft der Puffer leer, das Video läuft aber wieder nach fünf Minuten oder eben nach einem Seiten-Reload.
  • Manchmal scheint die Internet-Verbindung gänzlich „weg“ zu sein, Minuten später funktioniert alles wieder normal.
  • Der Browser scheint nicht mehr auf Eingaben zu reagieren oder ist sehr langsam, weil er versucht, Objekte mittels JavaScript nach zu laden, was aber wegen des kurzen Verbindungsabbruchs nicht mehr gelingen kann.

Abhilfe

Es ist nicht zielführend, über die Internet-Provider zu schimpfen, diese sind prinzipiell alle gleich, weil sie selbstverständlich alle die selben Leitungen benutzen. Es hilft auch nichts, am Telefon laut zu werden und sich schreiend über die „Mißstände in Thailand“ zu beklagen. Wer so vorgeht, kommt in Thailand nirgendwo zum Ziel. Das sollte sich unterdessen hoffentlich bei allen Expats herum gesprochen haben…

Router StatusSehen Sie stattdessen im Status Ihres Routers nach, damit Sie Klarheit darüber gewinnen, wo das Problem wirklich liegt. Das ist einfacher gesagt als getan, weil jeder Router anders aufgebaut ist und manche Billig-Modelle nur sehr wenig über den Status der Verbindung preisgeben.

Das nebenstehende Bild zeigt eine solche Router-Status-Seite. Die ersten beiden Zeilen sind die interessantesten. „Synchronized Time“ zeigt die Online-Zeit des Routers und die Anzahl der Zwangstrennungen. Diese wird grundsätzlich alle 24 Stunden durchgeführt. Dadurch erhalten Sie eine neue IP-Adresse (ausser Sie haben eine statische IP-Adresse gebucht, aber auch dann erfolgt eine Zwangstrennung) und der Provider vermeidet, dass jemand Server an der ADSL-Leitung betreibt. Erhöht sich also die erste Ziffer neben der Online-Zeit jeden Tag, so ist das kein Fehler, sondern normales Verhalten.

Anders sieht es aber bei „Number of Synchronizations“ aus. Diese sollte idealerweise immer auf eins stehen. Wird sie um 1 hoch gezählt, gab es genau einen Verbindungsabbruch. Dabei wird natürlich „Synchronized Time“ wieder auf 0 gesetzt.

Weitere Werte, die Sie dort sehen, sind die „Attainable Rate“ (das, was die Leitung theoretisch an Übertragungsrate hergeben würde) und die „Rate“ (die Datenkapazität, die Sie bei Ihrem Provider gebucht haben). Beide getrennt nach Up- und Downstream. Letztere sollten Sie dahingehend überprüfen, ob sie tatsächlich auch dem Paket entsprechen, das Sie jeden Monat bezahlen. Weichen die Werte erheblich vom gebuchten Paket ab, ist das ein Grund zu reklamieren.

Bei Ihrem Router kann der Status natürlich völlig anders aussehen oder die entsprechende Werte können eine andere Bezeichnung haben. Hier hilft oft ein Blick in die Dokumentation des Routers.

Wenn Sie mehr als fünf Verbindungsabbrüche pro Tag zu verzeichnen haben, rufen Sie Ihren Provider an (die Hotlines sprechen meist hinreichend gut Englisch) und weisen ihn freundlich darauf hin, dass Sie „Disconnects“ haben und deswegen Ihre Freude am Internet mehr als getrübt ist. Auch wenn die Mitarbeiter so tun, als wüssten sie gar nicht, wovon die Rede ist, sie wissen es ganz genau, glauben Sie mir… Beim ersten Mal werden sie Ihnen einen Techniker ins Haus schicken, der alles Mögliche überprüft, aber schließlich unverrichteter Dinge wieder von dannen zieht. Nur der Hartnäckige wird hier erfolgreich sein.

Rufen Sie am nächsten Tag genauso freundlich noch einmal an! Irgendwann einmal wird die Hotline Ihnen erzählen, dass ein Techniker am Kabel arbeitet („Fix the cable“) und gar nicht zu Ihnen kommen muß. In Wirklichkeit aber wird jemand zum DSLAM (besagter grauer Kasten) geschickt, mit dem Auftrag, Ihren Anschluß auf einen anderen Port zu stecken. Wenn Sie nun Glück haben, ist der Spuk vorbei — wenn nicht oder wenn die selben Probleme nach einer gewissen Zeit erneut auftreten, fangen Sie wieder von vorne an. Bleiben Sie aber immer freundlich, das ist sehr wichtig! Irgendwann geht das den Technikern so auf den Wecker, dass sie einen Port suchen der OK ist, nur um endlich Ruhe vor Ihnen zu haben. I mean, this is Thailand, after all.

Langsames Internet

Wenn Sie keine Verbindungsabbrüche in den Router-Logs finden, aber die Internet-Geschwindigkeit trotzdem nicht zufriedenstellend ist, bleibt ausser einem anderen (teureren) Paket kaum eine Alternative. Die meisten billigen Pakete, die überall vollmundig beworben werden, sind meist völlig überbucht. Insbesondere in Pattaya ist das der Fall. Wenn an einen Konzentrator (DSLAM) zu viele Kunden angeschlossen sind, teilen sich alle die maximale Übertragungskapzität. Wenn dann (abends) auch noch alle online sind, geht die nutzbare Datenrate natürlich völlig in den Keller.

Wenn Sie wirklich auf schnelles Internet (das gibt es in Thailand durchaus) angewiesen sind, sollten Sie auf ein „Business-Package“ (auch „Gold“- oder „Premium“-Package genannt) umsteigen. Diese Pakete sind auch hinsichtlich der Daten­übertragung ins Ausland optimiert und folglich schneller. Man bezahlt dafür ab 5.000 Baht monatlich. Nach oben gibt es kaum Grenzen, je nach erforderlicher Datenrate. Es existieren auch Business-Pakete mit garantierter Obergrenze der an einen Konzentrator gemeinsam angeschlossenen Kunden. Solche Pakete werden in der Regel nicht auf den Provider-Webseiten angeboten, sind Ver­hand­lungs­sache und ohnehin nur für größere Firmen erschwinglich. Ein Providerwechsel nur wegen der Geschwindigkeit unter Beibehaltung des gebuchten Paketes bringt erfahrungsgemäß kaum etwas.

Wenn Sie nicht soviel Geld ausgeben möchten, sollten Sie sich vielleicht einmal überlegen ob Sie nach Thailand ausgewandert sind, um jede Nacht die Bundesliga per Live-Stream nach Thailand zu übertragen. Es gibt hier auch noch viele andere schöne Dinge, die man unternehmen kann — auch ohne Internet.