Die Zukunft von TYPO3

kann man seit einiger Zeit per Post bestellen, allerdings bezweifle ich, dass es so einfach ist. Um diese gedruckte Broschüre soll es in diesem Beitrag aber nicht gehen, sondern um die unterdessen zahllosen Beiträge und Mailinglisten-Posts, die ich in den letzten Tagen gelesen habe. Viele der Argumente im folgenden Artikel stammen vom +1 / -1 Thread aus der deutschen TYPO3 Mailingliste. Ich erwähne das ausdrücklich, damit keiner sagt, ich würde guttenbergen. Es ist aber kaum möglich, die vielen Urheber hier namentlich zu nennen, die Übersicht würde zu sehr leiden.

Die „Zukunft von TYPO3“ kann man nicht in einer Hochglanzbroschüre beschreiben, und der TYPO3-immanente Wir-haben-uns-alle-so-lieb-Habitus muss endlich aufhören. Wir haben uns nämlich nicht lieb, sondern wir sind allenfalls Kollegen, die sich gegenseitig respektieren sollten. Es geht um Geld und jeder von uns möchte von einem ausgereiften CMS profitieren. Dazu gehört aber ganz bestimmt, dass Fehler auch als solche bezeichnet und Irrtümer zugegeben werden müssen. Niemand hat die Weisheit für sich alleine gepachtet. Das Einrichten eines EAB innerhalb der TYPO3 Association ist hier sicherlich der erste Schritt in die richtige Richtung.

Als ich an dieser Stelle des Beitrages angelangt war, meldet sich WordPress mit dem Hinweis, es sei ein Update auf die Version 3.5.1 verfügbar. Mitten im Schreiben habe ich auf den Link geklickt und nach 15 Sekunden war das Update erledigt und ich konnte weiterschreiben. Das sollte die Zukunft von TYPO3 sein. Komme mir bitte keiner wieder mit „Frickel-Spaghetti-Code“ — es geht um’s Prinzip. Das eben Erwähnte möchte ich mit einer 4.6.x oder 4.7.x Version von TYPO3 nämlich lieber nicht versuchen.

Die Situation einer Web-Agentur

PHP-Programmierung ist nur Teil eines Projektes, oft nicht einmal der bedeutendste und auf keinen Fall Selbstzweck. HTML5, CSS3, responsive Layouts, mobiles Web und JavaScript sind (und hier zurecht) im permanenten Wandel. Da will man nicht auch noch mit einem CMS arbeiten mūssen, bei dem ungewiss ist, was die nächste Version bringen wird. Ich erwarte von dem System nämlich lediglich, dass es verdammt noch mal Texte, Bilder und von mir selbst definierte Datensätze in einer Datenbank speichert und von dort wieder hervorholt, wenn sie gebraucht werden. Ein Redakteur muß auf einfache und intuitive Weise seine Artikel schreiben und miteinander verknüpfen kõnnen. Ebenso ist es unerlässlich, dass er das System überhaupt akzeptiert, und das Interface muß für ihn persönlich anpassbar sein. Macht mein System all das verlässlich und performant, sind 90% aller Anwendungsfälle bereits abgedeckt. TYPO3 CMS schaffte und schafft das all die Jahre perfekt.

Ich meine behaupten zu können, dass ich, wie viele andere Kollegen auch, TYPO3 bis hin zur Version 6 beherrsche. Wenn mir nun jemand einreden will, dass ich unbedingt neu lernen muss, was eine kleine Gruppe im stillen Kämmerlein ausgeheckt hat (Neos, Flow), einfach weil das geil und cool sein soll, wobei ich, zusammen mit meinen Kunden, der Beta-Tester sein muß, dann tue ich genau das nicht. Stattdessen lerne ich zwar tatsächlich etwas Neues, aber ich entscheide mich dann fūr ein System, das am Markt etabliert ist, das die Kunden akzeptieren und fūr das ich nicht missionieren gehen muss. Eines dieser Systeme heißt Drupal.

Die Situation von TYPO3

TYPO3 CMS Version 6

Bildquelle: typo3.org

TYPO3 Version 6 ist verfügbar und für Projekte einsatzbereit. Alle früheren Versionen sollen hier gar nicht mehr erwähnt werden. Ich will nicht verschweigen, dass etliche Fehler gemacht wurden, aber das ist Vergangheit. Jetzt muß es um die Zukunft gehen und die nebenstehende Illustration zeigt uns sehr schön wohin die Reise gehen muß: Zurück in die Zukunft.

Die Betonung liegt in der Tat auf dem Wort zurück. Aber nicht zurück zu alten Zöpfen und altem Code, sondern zurück zu Stabilität, Anwendbarkeit und Kalkulierbarkeit. Und für mich persönlich heisst es, zurück zu TYPO3 mit seinen bewährten Konzepten. Keine Experimente mehr.

Das Flow/Neos Team um Robert Lemke hatte fünf Jahre lang Zeit zu entwickeln und abzuliefern, was es versprochen hat: Ein sogenanntes Next-Generation-CMS. Sie haben von der TYPO3-Community sehr viel Vertrauensvorschuss erhalten und auch sehr viel Geld. Heute kann man nicht viel mehr sagen als: „Sie haben es nicht geschafft!“ Aus dieser Tatsache müssen nun Konsequenzen gezogen werden.

Jeder Agentur-Inhaber, der einen Vorschuss von seinem Kunden kassiert, wird nach einem Fertigstellungstermin sowie nach verbindlichen Milestones gefragt werden. Bei Flow/Neos liegt nach fünf Jahren weder das eine noch das andere vor, sondern aktuell eine Beta bzw. Alpha-Version. Aber noch nicht einmal diese Versionen lassen positive Tendenzen klar ersichtlich werden. Jeder möge diese Tatsache doch bitteschön zur Kennntnis nehmen. Die T3A und ihre Mitglieder haben dies ja bereits getan und entsprechend abgestimmt. Die derzeit dargebotenen „Argumente“, dass nämlich die Mittel immer noch nicht ausreichen, ein Projekt-Manager nicht zur Verfügung gestellt wird und gar die demokratische Legitimation des Votums bezweifelt wird, kann man nur als Schmierentheater bezeichnen. Jeder Kunde würde eine Agentur in einer vergleichbaren Situation bereits verklagt haben.

  • Philipp Gampe

    Als ich an dieser Stelle des Beitrages angelangt war, meldet sich WordPress mit dem Hinweis, es sei ein Update auf die Version 3.5.1 verfügbar. Mitten im Schreiben habe ich auf den Link geklickt und nach 15 Sekunden war das Update erledigt und ich konnte weiterschreiben. Das sollte die Zukunft von TYPO3 sein. Komme mir bitte keiner wieder mit „Frickel-Spaghetti-Code“ — es geht um’s Prinzip. Das eben Erwähnte möchte ich mit einer 4.6.x oder 4.7.x Version von TYPO3 nämlich lieber nicht versuchen.

    Genau so lange habe ich mein TYPO3 von 4.6 auf 4.7 geupdatet. Neue Version herunterladen, auspacken, Symlink ändern und das Install Tool Update durchlaufen lassen. Im Gegensatz zu WordPress (welches dabei gerne mal kaputt geht) muss man bei TYPO3 die Schritte per Hand ausführen. Hintergrund ist, dass TYPO3 auch komplexere Setups mit geteilten Quellen unterstützt und deswegen besser nichts kaputt machen sollte. Außerdem hatte Windows lange keine saubere Symlink Unterstützung, wodurch ein automatischer Prozess unmöglich war.

    Da will man nicht auch noch mit einem CMS arbeiten mūssen, bei dem ungewiss ist, was die nächste Version bringen wird.

    Die Zukunft wurde deutlich kommuniziert. Nur leider schaffen es einige “Experten” immer nicht zu zu hören und unken deswegen lieber rum.
    TYPO3 CMS wird so lange weiterentwickelt, wie es Programmierer gibt. Im Moment hat der große Teil der CMS-Kern-Personen vor, dies noch mindestens einige Jahre zu tun. TYPO3 Neos wird dazu parallel entwickelt und nach und nach die Features von TYPO3 CMS nachbauen, soweit wie sie unter der neuen Architektur Sinn ergeben. Beide CMS Systeme werden sich weiter annähern.

    Wenn mir nun jemand einreden will, dass ich unbedingt neu lernen muss, was eine kleine Gruppe im stillen Kämmerlein ausgeheckt hat (Neos, Flow), einfach weil das geil und cool sein soll, wobei ich, zusammen mit meinen Kunden, der Beta-Tester sein muß, dann tue ich genau das nicht. Stattdessen lerne ich zwar tatsächlich etwas Neues, aber ich entscheide mich dann fūr ein System, das am Markt etabliert ist, das die Kunden akzeptieren und fūr das ich nicht missionieren gehen muss. Eines dieser Systeme heißt Drupal.

    Niemand sagt dass du etwas neues lernen musst, sondern es besteht die Möglichkeit, sofern dir dies gefällt. Wenn es Drupal sein soll, dann viel Spaß!

    Das Flow/Neos Team um Robert Lemke hatte fünf Jahre lang Zeit zu entwickeln und abzuliefern, was es versprochen hat: Ein sogenanntes Next-Generation-CMS. Sie haben von der TYPO3-Community sehr viel Vertrauensvorschuss erhalten und auch sehr viel Geld. Heute kann man nicht viel mehr sagen als: „Sie haben es nicht geschafft!“ Aus dieser Tatsache müssen nun Konsequenzen gezogen werden.

    Sie haben ein Next-Gen Framework gebaut, welches alle Anforderungen an eine modernen Webapplikation erfüllt und bauen gerade ein CMS darauf, welches ebenfalls bereits die wichtigsten Funktionen einer modernen Seite erfüllt. Was fehlt sind die 30% GUI obendrauf.

    Und nochmal zum mitschreiben: Die T3A ist nicht TYPO3!

    • http://t3net.org/ Dieter Bunkerd

      Die T3A ist nicht TYPO3!

      Ich finde dieses Blog spannend. Schon wieder etwas Neues dazu gelernt. Fragen über Fragen: Wer oder was ist TYPO3 dann? Von wem oder was wird es repräsentiert? Wer oder was trifft die Entscheidungen? Ich soll doch Mitglied der T3A werden, so sagt man mir. Habe ich auch vor, ich bin wild entschlossen! Bin ich dann aber etwa immer noch kein Mitglied von TYPO3? Wo zum Teufel muss ich denn dann Mitglied werden, um endlich zum Kreise der Erleuchteten zu gehören? Geht das überhaupt?

      • Philipp Gampe

        Tja, wenn du dich selbst ausschließt …

        Was ich eigentlich sagen wollte: Die T3A hat nur die Markenrechte an TYPO3. Entwickelt wird TYPO3 von den Entwicklern aus der Community, welche auch die Commit Rechte und die Server verwalten.
        Die T3A hat schlicht kein Weisungsrecht gegenüber den Core Member oder gegenüber der Community.
        Selbst wenn die T3A Code von Externen entwickeln lassen würde, wäre dies keine Garantie, dass er auch aufgenommen wird.

        Natürlich unterstützt die T3A die Entwicklung von TYPO3, aber die T3A ist halt nur ein (kleiner) Teil von TYPO3.